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07.04.2014 | Design

PanoramablickMit Konstantin Grcic im Vitra Design Museum

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist Konstantin Grcic eine feste Größe in der Designszene – das Vitra Design Museum widmet dem Münchner Gestalter nun die bislang größte Ausstellung seiner Werke.

Konstantin Grcic gilt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Designer und begeistert seit der Gründung seines Büros KGID im Jahr 1991 die Designwelt mit eindrucksvollen Entwürfen und vielfach ausgezeichneten Arbeiten für internationale Möbelhersteller. Mit seiner unverwechselbaren Handschrift interpretiert der 49-jährige Produktdesigner fest etablierte Formen neu. Seine kreative Arbeit hinterfragt Form und Funktion – dabei entstehen spannende Designs in einer industriellen Ästhetik. Viele seiner Arbeiten, darunter die kegelförmige Lampe „Mayday“ oder der legendäre „Chair One“ aus Aluminium, gelten bereits heute als begehrte Klassiker.

Nun widmet das Vitra Design Museum in Weil am Rhein Grcic eine umfassende Einzelausstellung, in der nicht nur seine unzähligen Entwürfe, sondern auch mehrere raumgreifende Installationen gezeigt werden. Unter dem Titel „Panorama“ unterteilte Grcic seine Ausstellung in mehrere Themenbereiche, in denen er seine Visionen für das Leben von morgen darlegt: ein Wohninterieur, ein Designatelier und einen Stadtraum. Im vierten Bereich erhält der Besucher einen sehr persönlichen Einblick in Grcics alltägliche Arbeit – umgeben von Zeichnungen, Prototypen oder Fundstücken, die den Designer inspirierten. So werden auch Objekte von anderen Designern und Künstlern, die Grcic nachhaltig beeinflusst haben, zu sehen sein; darunter Marcel Duchamp, Gerrit Rietveld oder Enzo Mari.

Drei Jahre lang arbeitete der Designer an der Ausstellung, um dem Besucher einen Zugang zu seinen künstlerischen Visionen und Anschauungen zu ermöglichen.

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Konstantin Grcic, photo: Markus Jans

Mit Janna Lipsky, Kuratorin im Vitra Design Museum, spricht Grcic über seine Gedanken zur Ausstellung und seine persönlichen Vorbilder:

Die Ausstellung „Panorama“ zeigt Ihr bisheriges Werk, wagt aber auch einen Blick in die Zukunft des Designs. Wie entstand dieses Projekt?
Ich war nie an einer klassischen Werkschau interessiert. Vielmehr wollte ich die Ausstellung als eigenständige Arbeit verstehen, als Designprojekt. Im Dialog mit Museumsdirektor Mateo Kries ist die Idee entstanden, dass es dabei um den Diskurs von Zukunft gehen sollte. Als Industriedesigner ist das gar nicht so außergewöhnlich, aber die Ausstellung bot die Gelegenheit zu einer viel umfassenderen Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Schau wird zum Statement meiner persönlichen Sicht auf die Zukunft.

Nach der Schule haben Sie eine Lehre zum Schreiner gemacht. Wie kam es dann, dass Sie Designer geworden sind?
Meine Schwester lebte damals in Wien, wo eine Ausstellung über Achille Castiglioni gezeigt wurde. Ich kannte Castiglioni nicht, aber meine Schwester schickte mir den Ausstellungskatalog und der hat mich begeistert. Im Katalog wurden nicht seine Werke vorgestellt, sondern auch Castiglioni selbst: Er war ja damals schon alt und dennoch so neugierig und agil! Ich habe zu dieser Zeit selbst überlegt: Was will ich eigentlich machen? Und ich glaube, man braucht dann nicht nur etwas, das einen interessiert, sondern auch Vorbilder. Castiglioni war für mich so jemand und plötzlich dachte ich, ich könnte Designer werden.

Sie haben dann Design am Royal College of Art in London studiert und in München das Büro KGID gegründet. In Ihrem Büro umgeben Sie sich mit vielen Fundstücken, Design- und Kunstobjekten. Welche Bedeutung haben diese Objekte für Sie?
Ich fange mal an mit einer Teekanne aus Blech, die ich gekauft habe, als ich aus England nach München gezogen bin. Im Grunde ist das der Anfang meines Büros. Ich liebe dieses Ding und benutze es immer noch täglich. Dann der Stuhl, auf dem ich sitze: Es ist der Box Chair von Enzo Mari. Ich kann immer wieder staunen über diesen Stuhl, dessen Form und Gestalt so extrem geprägt sind durch seine Direktheit und Pragmatik. Dann gibt es dieses Plakat einer Marcel Duchamp Ausstellung aus den 1960er Jahren: Es ist einfach ein sehr schönes Plakat, das für eine Zeit und für eine Kunstrichtung steht – eine konzeptionelle, radikale und auch sehr intellektuelle.

Die Ausstellung läuft vom 21. März bis 14. September. Tipp: Vom 19. bis 22. Juni kann der Besuch im Vitra Museum perfekt mit einem Trip zur Art Basel verbunden werden.

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