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05.10.2013 | Sports

Zwischen Benzin und Glamour

Wir haben den charismatischen Fotografen und Autoliebhaber getroffen und mit ihm über seine Erlebnisse aus 40 Jahren Formel 1- Geschichte gesprochen. Wie es sich anfühlt, unmittelbar am Rande der Piste zu stehen - den Lärm der vorbeirauschenden Rennwagen im Ohr und den bebenden Boden unter den Füßen, das weiß Werner Eisele ganz genau.

Herr Eisele, beschreiben Sie den Moment, als Sie zum ersten Mal live bei einem Formel 1-Rennen dabei waren. Wann war das und was haben Sie gefühlt?
1956 bin ich zum großen Formel 1 Rennen von Bad Cannstatt zum Nürburgring gefahren – und zwar mit dem Fahrrad meiner Mutter. Drei Tage hin und drei Tage zurück. Als 17-Jähriger blieb mir nicht viel anderes übrig. Erst ein Jahr später erhielt ich meinen Führerschein. Es war eine abenteuerliche Reise, ich habe auf Bauernhöfen übernachtet und musste öfters mal mein Fahrrad reparieren. Aber es hat sich gelohnt, schließlich konnte ich, neben dem Rennen an sich, die Fahrer Stirling Moss und Juan Manuel Fangio endlich einmal ganz aus der Nähe erleben.

Seit 40 Jahren fotografieren Sie Rennen der Formel 1. Wie hat sich der Sport im Laufe der Zeit verändert?
Natürlich gibt es sehr viele Veränderungen, die über die Jahre im Rennsport stattgefunden haben. Die Autos wurden schneller und Sicherheitsmaßnahmen in den Wagen und auf der Strecke wurden verbessert. Eine Veränderung, die für mich als Fotografen sehr bemerkbar wurde, ist der ganze Presserummel und die Vorkehrungen, die für Pressemitarbeiter und Fotografen getroffen wurden. Beispielsweise waren 1964 beim Grand Prix in Monaco ca. 15 Fotografen aus aller Welt vertreten. Fürst Rainier und seine Frau Gracia Patricia (Grace Kelly) begrüßten uns im Sporting Club mit Handschlag, so etwas ist heutzutage kaum vorstellbar.

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Photo: © Werner Eisele / Collection Rolf Heyne

Wenn Sie könnten, würden Sie gerne tauschen und lieber heute, statt früher, Ihre Karriere starten?
Niemals! Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe meine Faszination für die Formel 1 nicht verloren. Ich bin immer noch ab und an mal bei den Rennen dabei – zwar nicht mehr direkt an der Piste sondern im Fahrerlager –  dennoch möchte ich die frühen Jahre meiner Karriere nicht missen, alles ist gut und zwar genau so, wie es ist.

Gab es in Ihrer Karriere als Fotograf eine Situation, in der es für Sie selbst mal brenzlich wurde?
Ich musste leider einige tiefe Einschnitte miterleben, der tragische Tod meines Freundes Jim Clark gehört auch dazu. Ich selbst war Gott sei Dank eher selten in Gefahr. Nur einmal, bei den Dreharbeiten zum Film „Grand Prix“ von John Frankenheimer, lenkte Yves Montand seinen Ferrari Tipo 312 in einer riesigen Staubwolke direkt neben mir in die Sanddünen der legendären Tarzan-Kurve. Als ich ihn kommen sah, konnte ich mich gerade noch in die sicheren Dünen retten. Das war schon aufregend!

Welches Ereignis zählt zu den Schönsten, die Sie bei der Formel 1 erlebten?
Die schönsten Erinnerungen, die ich für immer in meinem Herzen behalten werde, sind vor allem die Freundschaften, die während der letzten Jahrzehnte entstanden sind. Enge Bindungen zu Rennfahrern wie Jim Clark, Jochen Mass und natürlich Jacky Ickx. Außerdem fand und finde ich es toll, dass meine Frau Iris mich oft zu den Rennen begleitete und begleitet. Sie ist auch heute noch mit Herz und Leidenschaft dabei. 

Haben Sie jemals daran gedacht selbst Rennfahrer zu werden und vor, statt hinter, der Kamera zu stehen?
Das Eine schließt das Andere nicht zwingend aus. Als junger Mann nahm ich mit meinem BMW 700 Coupé an kleineren Rennen teil. Und auch heute fahre ich in einem historischen Porsche 360 mit meiner Frau und meinem Sohn bei internationalen Rallyes mit.

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