Formel-E-Fahrer Jérôme D’Ambrosio Formel-E-Fahrer Jérôme D’Ambrosio
„Die Formel E bewegt etwas“

Nach mehreren Jahren im Kartsport wechselte der belgische Formel-E-Fahrer Jérôme D’Ambrosio in den Formelsport: Formel Renault, Formel Renault 3.5, Formel Master und GP2 waren die nächsten Stationen. 2011 machte er sein Debüt in der Formel 1, bevor er sich für die Formel E entschied. „Ich wollte gerne Teil von etwas sein, das langfristig Sinn ergibt“, erklärt er im exklusiven Interview mit BOSS.

Jérôme D’Ambrosio für HUGO BOSSJérôme D’Ambrosio für HUGO BOSS
  • Wie hat alles mit dem Autorennen begonnen?
    Ich war damals sieben oder acht Jahre alt. Beim Urlaub in Frankreich mit meiner Mutter und meiner Schwester gingen wir Gokart fahren. Das hat viel Spaß gemacht. Als wir wieder zu Hause in Belgien waren, fragte ich meine Eltern, ob ich anstatt Fußball spielen lieber Gokart fahren könnte. Alle Kinder in meinem Alter spielten damals Fußball, aber ich wollte lieber Gokart fahren. So hat alles begonnen.
  • Was hat Sie zur Formel E gezogen?
    Ich wollte gerne Teil von etwas sein, das langfristig Sinn ergibt. Was ich meine: Es sollte für die Gesellschaft relevant sein. Nachhaltig und technologisch wertvoll. Die einzige Herausforderung, die so mit der heutigen Realität verbunden ist, ist die Formel E. Nicht nur was die Technologie betrifft, sondern auch wie die Städte genutzt werden. Dass man die Show zu den Fans bringt. Also entschied ich mich, zur Formel E zu wechseln.
  • Wie bereiten Sie sich auf ein Rennen vor?
    Ich muss gestehen, ich habe keine bestimmte Routine. Wir haben einen Simulator, mit dem wir zwei oder drei Tage trainieren, bevor es auf die Rennstrecke geht. Wenn das Rennen zum Beispiel an einem Sonntag ist, komme ich am Donnerstagabend oder Freitagmorgen an, um mich in der Stadt einzugewöhnen. Samstag ist der erste Tag, wo es so richtig losgeht. Man steigt in den Rennwagen, man trainiert und Sonntag ist das große Rennen. Es ist schwierig, eine genaue Routine für das Wochenende vorzubereiten. Man hat einfach so viel zu tun. Ständig ändert sich der Plan und man muss einfach flexibel sein. Einer der Hauptfaktoren, um in der Formel E erfolgreich zu sein, ist definitiv die Flexibilität. Man muss sich schnell auf das konzentrieren können, was im Moment ansteht. Tagsüber hat man einfach keine Zeit für sich. Man läuft von Meetings mit den Mechanikern zu PR-Terminen zu den Sponsoren und plötzlich muss man im Rennwagen sitzen. Das ist etwas, mit dem man umgehen können muss.
  • Wie sieht Ihr Training aus?
    Ich habe ein allgemeines Trainingsprogramm, um fit zu bleiben. Schließlich muss ich jederzeit für das Rennen in Topform sein. Ich fahre mit dem Rad, gehe ins Fitnessstudio, mache Yoga. Ich entdecke gerne neue Sportarten. Erst vor Kurzem habe ich Yoga für mich entdeckt und es macht mir viel Spaß. Zusätzlich kombiniere ich es mit traditionellerem Training, Tennis und Fußball. Ich mag Sportarten, bei denen man auch Spaß haben kann. Nur Gewichte stemmen ist einfach langweilig.
  • Macht es einen Unterschied, ob man einen Formel-E-Wagen oder einen benzinbetriebenen Rennwagen fährt?
    Die Aufgabe des Rennfahrers ist in beiden Fällen ähnlich. Man muss so schnell wie möglich sein, die Kurven perfekt nehmen und die Runden schnell fahren. Die Rolle im Wagen ist die gleiche. Aber das Feeling ist anders. Die Geräusche sind ganz anders als bei einem Benzinmotor. Normalerweise ist das Motorengeräusch alles, was man im Cockpit hört. Beim Elektroauto ist das anders. Auch was das Fahrgefühl betrifft: Beim Elektromotor kann man jederzeit auf die maximale Power zugreifen. Bei einem Benziner geht das nicht. Der größte Unterschied ist beim Rennen selbst, wo man sich die Energie einteilen muss. Das ist ein ganz anderer Ansatz.
  • Was ist der wichtigste Beitrag, den die Formel E zum Motorsport leistet? Wie wird Ihrer Meinung nach die Formel E den Motorsport verändern?
    Relevanz. Das ist der wichtigste Beitrag, den die Formel E zum Motorsport leistet. Der Sport muss relevant sein, um auch langfristig Auswirkungen zu haben. Damit die Technologie relevant bleibt. Und das ist es, was die Formel E bewirkt. Außerdem möchten wir auch für die Fans relevanter sein. Die junge Generation möchte nicht unbedingt 300 Kilometer an einen Ort reisen und dort drei Tage das Gleiche sehen. Für unsere Generation geht es um unmittelbare Befriedigung. Diese Generation sieht sich gerne am Samstag das Rennen an und macht am Sonntag etwas Anderes. Diese Generation wacht gerne in einer großen Stadt auf, geht mit Freunden auf einen Kaffee, entspannt ein wenig und sieht sich am Nachmittag das Rennen an. In zehn Minuten sind sie mit dem Rad oder der U-Bahn an der Rennstrecke. Wir bringen die Show zu ihnen. Die Formel E bewegt etwas.
  • Wie war Ihre Zusammenarbeit mit HUGO BOSS bis jetzt?
    Ich genieße die Zusammenarbeit mit HUGO BOSS sehr. Wir hatten einige tolle Events. Ich würde mich selbst nicht als Fashion-Experten bezeichnen, aber es gefällt mir, für jedes Event das richtige Outfit zu haben. BOSS passt einfach sehr gut zu mir. Manchmal brauche ich einen Maßanzug von Made to Measure – mir persönlich gefällt der Service bei der Anprobe sehr gut. Ich brauche solche speziellen Anzüge für Events, Termine oder andere Anlässe, wo man schick angezogen sein muss. Aber BOSS hat auch legere Looks. Es ist cool, dass die Marke für jeden Anlass und jede Aktivität die richtige Garderobe parat hat.
  • Können Sie uns einen Ihrer besten Rennmomente verraten?
    Das ist eine sehr schwierige Frage für mich. Es gab so viele großartige Momente in meiner Karriere. Vom Gokart fahren über den Weltmeistertitel bis hin zum GP2-Sieg in Monaco. Als ich jünger war, habe ich einige Meisterschaften gewonnen. Der erste Formel-1-Grand-Prix war natürlich etwas Magisches. Mein erstes Formel-1-Rennen war fantastisch. Und mein erstes Formel-E-Rennen in Beijing war auch ein historischer Moment. Es war toll, dabei zu sein. Damals wusste noch niemand, wie sich das Ganze entwickeln würde. Es war einfach großartig, ins Unbekannte zu segeln. Die Auswahl fällt mir schwer. All diese Momente haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.
  • In welcher Stadt fahren Sie Ihre Rennen am liebsten und warum?
    Das ist schon wieder eine schwierige Wahl. Es gibt so viele großartige Städte. Paris, Rom, Zürich, Hongkong und jetzt New York. So viele tolle Städte und jede ist einzigartig. Ich glaube, die Rennstrecke in Rom mochte ich am liebsten. Das Event in Zürich war einfach unglaublich. So viele Menschen, so viel Freude, so viele Fans. Alle waren so aufgeregt!
  • Was halten Sie davon, dass die Rennstrecke im Herzen der Stadt liegt?
    Das ist eine große Herausforderung, aber es macht auch viel Spaß. Man darf sich keine Fehler erlauben. Und abends kann man einfach abschalten und in der Stadt essen gehen. Das ist toll!
  • Was geht Ihnen auf der Rennstrecke durch den Kopf?
    Nicht viel (lacht). Mir geht viel durch den Kopf, aber das sind alles Dinge, die mit dem Fahren zu tun haben. Wie man auf verschiedene Gegebenheiten reagiert. Das ist etwas, das man tun muss. Man ist nicht abgelenkt oder denkt an andere Dinge. Es geht darum, so schnell wie möglich zu fahren, die Situation zu analysieren und mit dem Team zusammenzuarbeiten. Man ist komplett auf den Moment konzentriert. Das ist das Geheimnis eines erfolgreichen Rennfahrers.
  • Wie feiern Sie Ihren Sieg?
    Das kommt drauf an. Wenn man aus dem Rennwagen aussteigt, feiert man mit dem Team und allen, die da sind. In Zürich bin ich letztens mit meiner Freundin und einem Freund schön essen gegangen. Das war wirklich großartig, um das Rennen zu feiern. Im Hotel stießen wir danach mit dem Team an. Man muss einfach diese kleinen Momente mit anderen teilen.
  • Wenn Sie sich eine Stadt für ein Rennen aussuchen könnten, welche wäre das?
    Wien wäre nett. Eine wunderschöne Stadt, an der ich sehr hänge. Dort würde ich gerne ein Rennen fahren.